Im Appenzeller «Erlebnis Waldegg» zeigt Gastgeber Patrick Eugster, wie er Gäste mit dem Konzept der Urchigkeit begeistert. Werfen Sie mit uns einen Blick in Grossmutters Stube.

In Kürze
  • Das «Erlebnis Waldegg» ist eine Zeitreise in Grossmutters Stube mit authentischer Appenzeller Atmosphäre 

  • Restaurantkonzept ohne E-Mail, Espresso oder Cola – dafür bewusst entschleunigend

  • Traditionelle Gerichte und saisonale Küche mit regionalem Bezug

  • Erfolgreiches Erlebnisgastronomie-Konzept für ganz verschiedene Zielgruppen

Lage mit Aussicht

Auf knapp tausend Meter über Meer bietet Patrick Eugster einen Rundblick über den Bodensee im Norden und den Alpstein mit Säntis und Hohem Kasten im Süden. Die Lage der Waldegg wäre Erlebnis genug – doch da kommt noch mehr, wie der Geschäftsleiter und Küchenchef Patrick Eugster berichtet.

Keine Cola …

Zum Waldegg gehört der «Schnuggebock», das Bauernhaus aus Grossmutters Zeiten. Hier erklärt Patrick Eugster das Konzept. «Hier servieren wir keinen Espresso, sondern nur Filterkaffee. Hier drehen wir die Zeit einige Jahrzehnte zurück. Du bist Omas Gast und deckst den Tisch selbst. Du wählst zwischen dem Vegi- und dem Fleischmenü. Das Essen servieren wir dir in einer grossen Schüssel und du schöpfst selbst. Pommes frites oder Coca-Cola gibt es – wie damals – nicht.» 

… keine E-Mail

Das Konzept geht so weit, dass man nur bar zahlen und auch nur telefonisch reservieren kann. «Als ich vor acht Jahren hier angefangen habe, überlegte ich mir, ob ich die E-Mail-Korrespondenz nicht doch einführen sollte. Ich merkte aber schnell, das verkompliziert alles. Am Telefon kann ich alle Fragen innerhalb weniger Minuten klären. Via E-Mail geht das Pingpong ewig.» Eine Menübestätigung flattert beim Kunden nicht digital, sondern als Päckli rein, süsse Überraschung inklusive. 

Via E-Mail geht das Pingpong ewig.

Patrick Eugster

Geschäftsleiter und Küchenchef

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Zum Betrieb

Erlebnis Waldegg

9053 Teufen AR

Team: Patrick Eugster beschäftigt 42 Mitarbeitende (total 28 Vollzeitstellen). Patricks Vorgänger Chläus Dörig kümmert sich um die Umgebung.

Lage: 3,5 Kilometer ausserhalb von Teufen. Zu Fuss erreicht man St. Gallen in einer halben Stunde (abwärts).

Gruppenevents: Schultag in der Klasse 4a, Biber backen, «Landsgmend-Esse», Jodelkurs und mehr.

waldegg.ch

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Alte Werte erlebbar machen

Die gesamte museumsähnliche Einrichtung ist erst 25 Jahre alt. Patrick erzählt, warum: «Mein Götti, Chläus Dörig, hat den Betrieb von seiner Mutter übernommen und aus der Besenbeiz ein Restaurant gemacht. Zusammen mit seiner Frau Anita hat er ihn laufend erweitert. Um das Jahr 2000 spürte er, wie ihm wichtige Werte verloren gingen. Werte wie zusammen plaudern, essen, arbeiten. So kam er auf die Idee dieser Zeitreise. Seine Nachbarn hielten ihn für verrückt, seine Überzeugung belehrte sie eines Besseren. Die Leute lieben die Atmosphäre, in der das Handy in der Tasche bleiben soll und man stattdessen ein ‹Eile mit Weile› spielt.»

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Patrick Eugster führt das «Erlebnis Waldegg» seit acht Jahren.

Handwerkliches Wissen nötig

Nach dem «Schnuggebock», dessen Name auf eine Schafrasse zurückgeht, erweiterte Dörig die Erlebniswelt mit der Bäckerei Ziträdli. Der Holzofen, die Teigmaschinen, das Buffet – alles wirkt uralt. «Das ist es ja auch», informiert Patrick schmunzelnd, «mein Götti trug die Sachen aus der ganzen Schweiz zusammen und achtete bei Boden und Decke auf ein altes Erscheinungsbild.» Hier backen zwei Bäcker Brot und Desserts für den Eigenbedarf und Mitbringsel. «Für den Umgang mit dem Holzofen ist viel Know-how und Fingerspitzengefühl gefragt», schiebt Patrick nach.

Wir kochen, was die Leute nicht selbst kochen.

Patrick Eugster

Geschäftsleiter und Küchenchef

Ein Betrieb für alle

Was bedeutet das Erlebniskonzept für den Betrieb? «Zentral ist: Wir sind ein Restaurant für alle. Es heisst oft, man müsse sich auf eine Zielgruppe spezialisieren. Das können und wollen wir nicht. Wir freuen uns über die Familien am Wochenende und die Pensionierten unter der Woche. Die Business-Leute, die ihren ausländischen Geschäftspartnern Schweizer Kultur zeigen, sind ebenso willkommen wie die Vereine aus der Nachbarschaft, die auch kommen, wenn der Himmel nicht wolkenlos ist. Aufgrund unserer Lage beeinflusst das Wetter unsere Auslastung nämlich stark.»

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Der herrliche Panoramablick über den Alpstein mit Säntis und Hohem Kasten.

Innovativ und saisonal

Für Patrick Eugster ist klar: Will er weiterhin erfolgreich sein, muss er innovativ sein wie sein Götti. «Wir kochen, was die Leute nicht selbst kochen und nicht an jeder Ecke bekommen. Einen Hamburger findest du nicht auf meiner Karte, dafür einen Hackbraten.» Wichtig ist dem Gastgeber die Saisonalität. Spargeln gibt es dann, wenn er sie aus dem Rheintal bekommt. «Was Saisonalität anbelangt, müssen wir die Gäste teilweise erziehen und ihnen erklären, warum es im Winter keinen Coupe Romanoff gibt.»

blog erlebnis waldegg hackbraten mit kartoffelstock und bier
Das Geheimnis eines guten Hackbratens? Wenig Brät.

«Uufeine» Geheimnisse

Ein Quartett bestellt Hackbraten mit Kartoffelstock und Bohnen. Dass es schmeckt, ist unüberhörbar, «uufein» sei der Braten. Was ist das Geheimnis des perfekten Hackbratens? «Wenig Brät! Auf zwanzig Kilo Fleisch nehme ich nur ein Kilo Brät. Ein weiteres seiner Geheimnisse – das er aber für sich behält – sind seine Chäshörnli. Die Käsemischung ist einzigartig. Dieser Besuch war ein Erlebnis und zeigt: Wer innovativ unterwegs ist und seine Ideen konsequent durchzieht, darf mit Erfolg rechnen.

Bilder: Jürg Waldmeier

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Typisch Ostschweiz, typisch Waldegg: die «Chäshörnli» nach Patricks Geheimrezept.
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Sara Hübscher

Autorin

Für eine gute Story renne ich auch mal weite Strecken.

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Branche

Gastronomie und Hotellerie

Wir kennen die Bedürfnisse der Gastrobranche und unterstützen Sie umfassend – mit Herz und Leidenschaft.

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